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Schamanin/Schamane

Der Begriff "Schamane" entstammt der Sprache des sibirischen Volkes der Evenki. „saman“ – die „mit Feuer arbeiten“, wurden die Männer und Frauen genannt, die Heilrituale leiteten und in Ekstase gerieten.

Über die russische Sprache floss dieser Begriff als "Schamane" in die europäischen Sprachen ein und wurde in den letzten hundert Jahren zu einem übergreifenden Wissenschaftsbegriff für alle kulturellen und religiösen Phänomene, die in indigenen Kulturen beobachtet wurden.

Einige Sprachforscher weisen darauf hin, dass die älteste Wurzel des Wortes „Schamane“ auch in dem babylonisch-assyrischen Wort schamasch liegen könnte. Es war der Name des Gottes der Sonne und der Orakel. Vielleicht wurzeln auch die Worte Schamane und schamasch - in dem Sanskritbegriff schaman. Dieser Begriff bezeichnet das Mitgefühl gegenüber Irrenden, Hilfesuchenden und die innere eigene Aufmerksamkeit.

schamane


Schamanismus

Schamanismus umfasst als Grundlage die Anschauung des Lebens als eine aus vielen Lebensfäden verwobene Ganzheit, als Kreislauf. Schamanismus ist keine Religion, hat keine Priester, definiert sich nicht durch ein Glaubenssystem oder Dogmen.

Schamanismus ist eine Erfahrungswissenschaft, sie gründet sich auf Erfahrung durch Sinneswahrnehmung. Was man erfahren hat, braucht man nicht mehr zu glauben – durch die eigene Erfahrung „weiß“ man es.

Schamanismus ist gekennzeichnet durch das Wissen um den Dreiklang der Kräfte des Erschaffenden, des Erhaltenden und des Zerstörenden und durch die sich aus diesem Zusammenspiel der Lebenskräfte ergebenen Aufgabe, zum Wohle des Einzelnen und somit zum Wohle der Gemeinschaft diese Kräfte in die Balance zu bringen und in der Balance zu halten.

Die sie umgebenden Natur und ihre daraus wurzelnden Lebenszusammenhänge prägen die Vielfalt schamanischer Traditionen in ihrer unterschiedlichen Erscheinungsform. Doch die zentralen Pfeiler der schamanischen Weltsicht sind weltweit die gleichen: Alle Erscheinungen von Leben, ob sichtbar oder nicht-sichtbar, haben einen Geist, sind miteinander verbunden und stehen in Wechselwirkung zueinander.
Der Mensch ist nicht die „Krönung der Schöpfung“ sondern steht mit seinen besonderen Fähigkeiten und Gaben im Kreis neben all den anderen Lebewesen und deren besonderen Fähigkeiten und Gaben.

anthro-zoomorphes Wesen

Voraussetzung, um als Schamane oder Schamanin zu wirken, war und ist das Vorhandensein einer „besonderen Gabe“, die nicht erlernbar ist. Auf dieser besonderen Befähigung zum „sehen“ und „heilen“ baut die jahrelange Lernzeit bei einer Schamanen-Meisterin oder einem Schamanen-Meister auf.

Die Arbeit einer traditionellen Schamanin, eines Schamanen ist immer gebunden an ein Leben in einer Gemeinschaft, die im gleichen geistigen Feld wie die Schamanin, der Schamane lebt.

Schamanin/Schamane zeichnet die Fähigkeit aus, willentlich Bewusstseinszustände zu wechseln, losgelöst vom Ego, zum Zwecke des Wohlergehens des Einzelnen und der Gemeinschaft. Auf diesen „Bewusstseins-Reisen“ durch die „Anderswelten“ werden die Ursachen von Störungen in Seele, Geist und Körper des zu behandelnden Patienten erforscht, nimmt die Schamanin, der Schamane Kontakt auf zu „Geistwesen“ als Träger und Vermittler von hilfreichen Informationen, erkennt die Schamanin, der Schamane die Wirkungszusammenhänge zwischen der Menschenwelt und der geistigen Welt und kann in sie eingreifen.

Vielfältig wie die schamanischen Kulturen sind die Bezeichnungen für Schamaninnen und Schamanen: „Von Oben Behauchte“ - „Blinde“ - „Meister des Feuers“ - „Zitternde“.

Buratische SchamaninjuanNepalesische Schamanin Maileschamane

Schamanismus - eine seit Jahrtausenden bestehende geniale Mischform aus Naturwissenschaft, Medizin, Psychotherapie und Theater, verboten und verfolgt, verunglimpft und belächelt - und immer noch lebendig, in neuen Formen und auf neuen Wegen. Besonders der Umgang mit nicht-sichtbaren Wirklichkeiten und Kräften, den „Geistern“, ist in unserer nicht auf ein gemeinsames geistiges Weltbild bezogenen Gesellschaft ein heikles Thema, mit vielen Ängsten und Vorurteilen besetzt.

Die Wirklichkeiten unserer hoch technisierten Wirtschaftskulturen werden nicht von der Geisteswelt des Schamanismus bestimmt, wir leben in einer vom Wert des Individualismus und Materialismus bestimmten Gesellschaft. So müssen wir größtenteils mit dem Verlust der „Wildheit“ leben, die oft nur noch erfahrbar ist unter abgesicherten Bedingungen oder in kreativen Prozessen.

Doch auch wenn wir in einer nicht-schamanischen Gemeinschaft leben, so können wir doch viele der uns überlieferten schamanischen Techniken nutzen, um mit ihnen Brücken zu bauen zu dem auch in unseren europäischen Kulturen tief verwurzeltem Wissen der "Alten".

Die bei uns aus diesen alten Schamanismuswurzeln europäischen Kulturen neu wachsenden Zweigen schamanischer Arbeit haben als Hauptmerkmale: Bewusstseinsveränderung mit dem Ziel des Erlangens von Wissen und Erkenntnis, Heilrituale und der Kontakt zum Geist von Pflanzen und Tieren.

Es erfordert Erfahrung, Kreativität und Mut, neue Wege mit dem alten Wissen schamanischer Kulturen zu erkennen und zu gehen, ohne die Riten und Vorstellungswelten anderer Kulturen oder unserer Ahnen zu imitieren.

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Schamanismus als Erfahrungswissenschaft ist ein lebendiges, sich wandelndes System, in dem sich aus dem grundlegenden „Muster“ heraus immer neue Formen und Farben entfalten.

„Suchet nicht das Wissen der alten Weisen,
sondern das, was auch sie gesucht haben.“
Matsuo Basho (1644-1694)