![]() |
|
|
![]() |
|
Felicitas Goodman pflegte zu sagen: „Trance ist eine Brücke zwischen verschiedenen Welten des menschlichen Bewusstseins. Trance ist gesund!“
Wo die Geister auf den Winden reiten (Verlag Binkey Kok*) Rituelle Körperhaltungen - Kurzfilm von Nana Nauwald
Unser Körper ist ein „universelles Instrumentarium“ zum Erkennen der Vielfalt von Wirklichkeiten, zur direkten Erfahrung und Einsicht in das lebendige Informationsnetz des Bewusstseins. Zu dieser Erkenntnis gelangte die Anthropologin Dr. Felicitas Goodman (1914-2005) in ihrer über 30jährigen Erforschung und Erfahrung von „Rituellen Körperhaltungen“ und ihren Wirkungen auf Körper, Geist und Seele. Die von Felicitas Goodman und ihren Mitarbeiterinnen erforschten Rituellen Körperhaltungen entstammen vorwiegend aus frühen, von schamanischer Weltsicht geprägten Kulturen.
Zahlreiche archäologische Funde weltweit lassen Rückschlüsse auf das Wissen alter Kulturen darüber zu, dass es möglich ist, über eine Körperhaltung in einen veränderten Bewusstseinszustand zu gelangen. Die älteste aufgefundene Statuette, die eine Frau in einer rituellen Körperhaltung zeigt, ist ca. 30.000 Jahre alt, aus Schiefergestein gefertigt und wurde an der Donau gefunden. Wir bezeichnen sie nach ihrer Fundstelle als „die Frau vom Galgenberg.“ Eine weitere berühmte Abbildung einer „außergewöhnlichen“ Körperhaltung ist der "Schamanen von Lascaux" (ca. 17.000 Jahre alt).
Auch wenn unser Wissen über typische Merkmale einer Trancehaltung uns ein brauchbares Repertoire an Beurteilungskriterien liefert, führt nur eine aufmerksame und gewissenhafte Erprobung zu einem verlässlichen Ergebnis. Das angegebene Alter der Statue oder Felszeichnung, die als Vorlage für eine rituelle Körperhaltung dient, sagt nur etwas aus über den Zeitpunkt der Fertigung. Das Alter der Fertigung erzählt nichts davon, wie lange Zeit das Wissen um „die Welten verbindende Kraft“ dieser Haltung bei den Menschen schon vorhanden war. So wichtig es auch ist, sich über die Kultur, aus der eine Körperhaltung stammt, zu informieren: die Technik der rituellen Körperhaltungen ist keine „Altertums-Konserve“. Die Technik der „Rituellen Körperhaltungen“ ist keine „Altertums-Konserve“. In welchen Ritualen sie ursprünglich angewendet wurden, wissen wir oft nicht. Wenn wir sie heute bewusst rituell einsetzen und mit unserem Geist und unseren Informationen füllen, dann werden sie unabhängig von ihrer Ursprungskultur zu geistigen Informationsträgern, zu Brücken zwischen den Welten des Bewusstseins. Die „Rituellen Körperhaltungen“ ermöglichen es, ohne Glaubensdogma und ohne Abhängigkeit von Leitpersonen willentlich einen Zugang zum zeit- und raumlosen Feld des Bewusstseins zu öffnen und dieses Bewusstseinsfeld auch als „Anderswelt“ der Schamanen zu erfahren. So kann für eine „Sucherin nach dem Wunderbaren“ die Technik der „Rituellen Körperhaltungen“ zu einem spirituellen Erkenntnisweg werden.
Diese Punkte und ein offener Geist und die Bereitschaft zur Erfahrung neuer Einsichten, ohne Festhalten an Gedanken, Vorstellungen und Wertungen sind die einzigen Voraussetzungen zum visionären Erfahren in der Trance.
Die rhythmischen Anregungen mit der schnellen Schlagfrequenz von 210 bis 230 bpm bewirken den Übergang in einen veränderten Wachbewusstseinszustand, den Theta- und manchmal auch den Deltazustand. Die Rituellen Körperhaltungen zeichnen sich aus durch ein Wechselspiel von Anspannung und Entspannung der Muskeln. Jeder der erforschten Körperhaltungen beinhaltet die Aufmerksamkeit auf jeweils besondere Muskeln in Anspannung. Durch die Verstärkung der Anspannung der „besonders“ gehaltenen Körperteile ist es möglich, die Tiefe und den Verlauf der Trance zu steuern. Offenbar werden während der ekstatischen Trance beide Seiten des vegetativen Nervensystems aktiviert - der Sympathikus und der Parasympathikus. Der Parasympathikus fördert den Zustand von Ruhe und Entspannung, er spielt auch eine sehr wichtige Rolle in der Sexualfunktion. In dem Erleben während der ekstatischen Trance löst sich erfahrungsgemäß viel affektiv und emotional Gestautes. Auf diesen Erfahrungshintergrund bezogen ist es sehr interessant, dass der Parasympathikus durch Affekte und Emotionen aktiviert wird. Die starke parasympathische Aktivierung führt zur Herabsetzung des Blutdrucks während der ekstatischen Trance. Wird der Parasympathikus zu stark erregt, kann Übelkeit ausgelöst werden. Ein Zustand, der während oder nach der Trance kurzzeitig auftreten kann. Zugleich ist die ekstatische Trance zweifelsfrei auch ein Stresszustand. (Stress ist nicht gleich Stress! Eine bestimmte Spannung, auch als "positiver Stress" bezeichnet, ist für die Leistungsfähigkeit des Menschen sogar förderlich.) Die Aktivierung des Sympathikus während der Trance steigert die Herzleistung und führt somit zu einer Beschleunigung des Pulses. Gleichzeitig wird die Durchblutung von Muskeln und Haut angeregt. Damit einhergehend werden körpereigene Opiate, die Beta-Endorphine, ausgeschüttet. Die biochemische Wirkung der Endorphine ist eine der Ursachen die es ermöglichen, in der Trance ein Gefühl intensiver Freude, Lust und Euphorie zu erfahren. Dieses Gefühl der "Süße", einer tiefen und bewussten Lebensfreude, kann noch für eine längere Zeit nach der Trance anhalten. Im Zustand dieser Trance nimmt die Hirnaktivität vor allem im Bereich der Sehrinde deutlich zu. Dadurch werden „Visionen“ Klänge, Farben, Einsichten, Erkenntnisse bewusst. Gleichzeitig ist die Nerventätigkeit im Scheitellappen teilweise drastisch gedrosselt. In dieser Hirnregion entwirft der Mensch das Bild von sich selbst. Eine Dämpfung dieses Bereichs bewirkt, dass das Empfinden für innen und außen, für die Wahrnehmung und Begrenzung des Körpers schwindet. Die Aufmerksamkeit ist auf innere Vorgänge gerichtet.
Die kulturell unterschiedlichen Formen der Trance finden sich seit den ersten Zeugnissen menschlicher Kultur auf allen Kontinenten unserer Erde. So unterschiedlich wie die Kulturen, so unterschiedlich sind auch die Mittel und Techniken, durch die willentlich der Zustand einer schamanischen Trance hervorgerufen werden kann. Entheogene Pflanzen, Körperhaltungen, Rhythmen, Gesänge, Mantras, Fasten, Tanz und Atemtechniken bilden die wichtigsten Zugänge.
„Der tungusische Schamane versteht während seiner Trance die Sprache der ganzen Natur...Jeder Schamane hat sein besonderes Lied, das er anstimmt, um die Geister anzurufen.“ Die schamanischen Trancetechniken ermöglichen eine Verschiebung der
Ekstase der Begriff bezieht sich auf das griechische extasis, das "Heraustreten", "Außersichsein", "außer sich stehen", „Verzückung“, „höchste Hingabe“. "Der natürliche Zustand des Menschen ist das ekstatische Staunen, mit weniger sollten wir uns nicht zufrieden geben." E Das Erreichen dieses Zustands ist möglich durch extreme Einschränkung von Sinnesreizen (z.B. Fasten, Isolation, Askese, Meditation) Ekstatische Erfahrungen prägten seit Urzeiten das Selbst- und Welterleben des Menschen. Ekstatische Erfahrungen sind oft von großer Intensität und Wirkungsmacht. Sie können Menschen läutern und wandeln, Perspektiven, Lebensgefühl und Werte verändern, Sinn gebend wirken und heilende Wirkungen entfalten. „Ekstase geht tiefer, führt höher hinauf als die gewöhnliche Freude, sie ist nicht anders als durch besondere Disziplin und Geschicklichkeit zu erlernen.“
Wahrnehmung ist Sinneseindruck und bezeichnet eine Bereitschaft, bezogen auf den jetzigen Moment beobachtend aufmerksam zu sein. So wie es die indoeuropäische Wortherkunft von „Wahrnehmung“ impliziert: wardo oder waro = aufmerksam werden, beobachten. Etwas „führwahr nehmen“ gehört zu einem anderen Wortstamm, zu „Wahrheit“ im Sinne von Vertrauen, Zustimmung, Versprechen, Gunst. Unsere abendländische Kulturgeschichte ist eng verbunden mit der Definition von Aristoteles, der die sinnliche Wahrnehmung (aisthesis, sensus) und die geistige Wahrnehmung (noesis, intellectus) als einer Art des „einsichtigen Erfassens“ unterschied. Wahrnehmung als eine Bereitschaft zur Erkenntnis ohne den Hintergrund eines Glaubenssystems unterscheidet nicht zwischen sinnlicher und geistiger Wahrnehmung. Wahrnehmung ist immer ein auf den Moment bezogener Zustand der sinnenhaften und geistigen Aufmerksamkeit. Es ist nicht möglich, ohne Sinne wahrzunehmen auch „Denken“ als ein Teil des Wahrnehmungsprozesses löst Sinnesreize aus. Geistige Wahrnehmung als „direkte“ Wahrnehmung des „Unbegreiflichen“ wird über den Körper, über die Sinne vermittelt auch wenn die wahrgenommene Erkenntnis aus einem „abstrakten“ Raum kommt. Die Arbeit an sich selbst, an der Fähigkeit zum Erkennen der Vielfalt von Wirklichkeiten und ihrem Zusammenhang, ist Voraussetzung für eine Wahrnehmung, die nicht eingeschränkt ist durch gewohnte Formen, Erscheinungen und Zusammenhänge. Wahrnehmung geht über „Sehen“ hinaus, es ist ein Vorgang, der alle Sinne mit einbezieht. Wahrnehmen heißt, das Wahrzunehmende in seiner Information zu erkennen losgelöst von seiner äußeren Erscheinungsform. Bewusste Wahrnehmung ist frei von Interpretationen und Wertungen. "Die Sinne trügen nicht, aber das Urteil trügt" Goethe Die wichtigste Voraussetzung, um etwas „wahrzunehmen“, ist Aufmerksamkeit. Drei Voraussetzungen, die den Moment der Wahrnehmung optimieren:
"Es gibt nichts auf der Welt, was nicht zu uns spricht. Alles und jedes offenbart ständig seinen Charakter, sein Geheimnis. |